Zweite gemeinsame Summer School in Kambodscha:
Dialog von Praxis und Universität

Vom 28. September bis zum 9. Oktober 2009 fand die zweite Summer School in Kambodscha statt. Diese von der Royal University of Agriculture (Phnom Penh) und der Technischen Universität München gemeinsam konzipierte und ausgerichtete Veranstaltung stand unter dem Leitthema „Land Policy and Good Land Governance“.

Die Referenten kamen aus beiden Hochschulen sowie aus kambodschanischen Regierungsstellen sowie Institutionen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Das Ziel der Summer School bestand darin, Chancen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie in dem durch Korruptionsvorwürfe und unkoordiniertes Verwaltungshandeln gebeutelten Land eine breitere Verankerung von Good Governance Prinzipien bei ländlicher und städtischer Entwicklung und den Instrumenten Dorferneuerung, Bodenordnung, Wertermittlung erfolgen kann. Entsprechend dem Teilnehmerkreis, der sich aus hochrangigen Angehörigen verschiedener Ministerien sowie aus Studenten des Studiums Land Mangement zusammensetzte, sollte vermittelt werden wie insbesondere Good Land Governance im Alltag der Verwaltungen und Universitäten umgesetzt und gelehrt werden können. Die Bandbreite der Veranstaltung reichte vom aktuellen Stand von „Good Governance“ im kambodschanischen Land Sektor (urban und ländlich!), internationalen Aspekten von „Good Land Governance“, der Ermöglichung gleichwertiger Lebensbedingungen im kambodschanischen ländlichen Raum durch Dorferneuerung und Bodenordnung, Klimawandel und Wasser mit Auswirkungen auf Land und Siedlungen, Gender-Gerechtigkeit bis hin zum nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen! Neben wichtigen fachlichen Aspekten und notwendigen interdisziplinierten Ansätzen bestand das wesentliche Ergebnis aller Diskussionen darin, dass eine Erhöhung der Bedeutung von „Good Governance“ im täglichen Umgang ohne Verankerung von Werten in der Gesellschaft nicht ausreichend gelingen kann. Dies gilt natürlich vor allem im Land-Sektor, der die Grundlage für die Stabilisierung des Landes schafft und daher einen besonderen Vertrauensschutz im Umgang mit Eigentum genießen muss. Hier sind Schulen, aber vor allem die Universitäten gefragt und gefordert. Neben fachlichen Inhalten müssen vermehrt Fragen von ethischen Aspekten und Normen sowie gesellschaftlichen Werten in die tägliche Diskussion und Ausbildung aufgenommen und damit im Denken verankert werden. Auf diese Weise kann es gelingen, die notwendige Sensibilisierung im nachhaltigen und gerechten Umgang mit Eigentum an Grund und Boden sowie Gebäuden zu ermöglichen.

Lernen von Beispielen! Vertreter der TUM waren O. Univ.-Prof. Dr.-Ing. Holger Magel und Dr.-Ing. Michael Klaus vom Center of Land, Water and Environmental Risk Management, die verschiedene ,eine große Bandbreite abdeckende Vorlesungen hielten sowie einen abschließenden Workshop durchführten. Dieser bot den Teilnehmern die Gelegenheit, die Anforderungen an eine Entwicklung ländlicher Räume und zugehöriger Umsetzungsinstrumente wie Aufbau einer Raumordnung und Bauleitplanung sowie Konzeption eines Flurbereinigungskonzepts aus kambodschanischer Sicht herauszuarbeiten. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für die Zukunft in Verwaltung und Ausbildung dienen.

Ein Novum dieser Summer School bestand in der Zweiteilung: Die erste Woche richtete sich an wie erwähnt leitende Mitarbeiter des Ministry of Land Management, Urban Planning and Construction aus Phnom Penh und allen Provinzen Kambodschas sowie an Universitätslehrer und Studenten. Auf diese Weise sollte eine breite Basis für einen fachlichen und auch generationenübergreifenden Dialog im Rahmen einer Weiterbildung aufgebaut werden. Die Veranstaltungen der zweiten Woche richteten sich ausschließlich an Studenten und Lehrer. Das Ziel bestand darin, die Lehrinhalte zu vertiefen sowie ein Assessment des Curriculums an der Faculty of Land Management in enger Abstimmung mit dem deutschen CIM –Experten Dr. Fabian Thiel (Faculty Advisor an der Royal University of Agriculture) zu starten. Der Dialog mit der Fakultät wurde im Wesentlichen von Dr.-Ing. Michael Klaus gestaltet, während Prof. Magel zeitgleich mit den Vertretern nahezu aller Ministerien einen Workshop über „Declaration on Spatial Planning Policy “ abhielt, um so die einzelnen Land Policy-Instrumente in einen gesamtplanerischen und Entwicklungsrahmen und die entsprechenden lokalen Planungsinstrumente wie vor allem Bauleitplanung einzubinden. Prof. Magel hat dazu schon mehrfach Inputs geleistet ,weshalb es keine Überraschung mehr war ,dass er vom für den Landmanagement zuständigen Staatssekretär Chin Kai Learng öffentlich als „ Land Management Advisor“ des Ministeriums begrüßt wurde. Die hohe Zahl der Teilnehmer spricht für den Erfolg der Summer School. Bis zu 160 Personen besuchten die Veranstaltung. Neben Studenten, Lehrern und Vertretern des kambodschanischen Ministry of Lands, Urban Planning and Construction nahmen auch Projektmitarbeiter aus anderen internationalen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit – auch in Form von fachlichen Beiträgen – teil. Dies stellt eine besondere Würdigung für die herausragende Stellung des Themas Land Management in Kambodscha dar.

Möglich gemacht wurde die Veranstaltung durch die erneute finanzielle Unterstützung der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) im Rahmen des „Land Administration Sub-Sector Program (LASSP)“ (vormals Land Management/Land Allocation Project).

Der neu ernannte General Director der Abteilung Kataster und Vermessung und zugleich Project Director des LASSP Programms im Ministry of Land Management, Urban Planning and Construction, Sar Sovann, sprach sich dafür aus, den Dialog auch in den nächsten Jahren weiter fortzuführen. Er traf damit auf offene Ohren seiner Mitarbeiter. Um einen breiten Ansatz im täglichen Umgang mit Land und Menschen zu ermöglichen, stimmten die Mitarbeiter des Ministeriums dafür, die universitäre Weiterbildungsmaßnahme auch auf das mittlere Management auszudehnen.

Rückblickend bot die Summer School ein sehr gutes und geeignetes Forum zum Austausch von ausländischen Experten und Fachleuten vor Ort und setzte Impulse für eine weitern Dialog in Richtung „Law Enforcement“ und „Good Governance“ im Landsektor.

Siehe weitere Beiträge im web:

» South-South-Dialogue der GTZ - Erste Raumordnungsgesetz in Kambodscha? 

» 
Erste gemeinsame Summer School 2008 - Beitrag des Lehrstuhls zur Entwicklung der städtischen und ländlichen Räume

» Dritte gemeinsame Summer School 2010 gesichertb



  


v.l.n.r: Vun Setha (Dean), Dr. Fabian Thiel (CIM-Expert, Faculty Advisor), O. Univ.-Prof. Dr.-Ing. Holger Magel (TUM), H.E. Dr. Chan Nareth (Rector Royal University of Agriculture), Dr. habil Franz-Volker Müller (GTZ Teamleader), Sar Sovann (General Director), Dr.-Ing. Michael Klaus (TUM)









Der Diretor General Kataster und Vermessung (Ministry of Land Managment, Urban Planning and Construction) bei der Vorstellung von Good Governance Aspekten im Kabodschanischen Land Sektor


Mitarbeiter des Ministry of Lands, bei der Formulierung ihrer Vorstellung über Instrumente für die Entwicklung des ländlichen Raums

 
  Studenten bei der Entwicklung ihrer Vorstellung über Notwendigkeiten zur  Entwicklung des ländlichen Raums
     
  Präsentation und Diskussion der Ergebnisse


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09.10.2009