Was ist Landmanagement?

Weltweit wird zur Zeit über das Thema Landmanagement diskutiert. Lehrstühle werden entsprechend umbenannt. Die Kommission 7 der FIG trägt ebenfalls in ihrer Bezeichnung den Begriff Landmanagement.

Aus diesem Grunde nachfolgend eine Begriffsdefiniton aus Sicht des Lehrstuhls für Bodenordnung und Landentwicklung

Land – eine kostbare Ressource
Arbeitsfelder
Fachliche Anforderungen an die Ausbildung
 

Landmanagement, Landentwicklung und Bodenordnung

Wirtschaftliches Wachstum, Beschäftigung, soziale Gerechtigkeit, Demokratie und der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen brauchen weltweit Rechtssicherheit an Grund und Boden. Dies ist die Lehre aus den weltweiten Umbrüchen der letzten zehn Jahre. Nur wer mit Grund und Boden langfristig und berechenbar planen kann, wird bereit sein, in die Zukunft zu investieren. Bodenordnung trägt zur Sicherung der Freiheit des Eigentums oder/und des Zugangs zu Grund und Boden bei. 

Deshalb nehmen Fragen des Landmanagements und der Landentwicklung in den Reihen der FIG (Fédération Internationale des Géomètres) und der Entwicklungszusammenarbeit wie auch bei der UN einen überragenden Stellenwert ein. 

So wird zur Zeit insbesondere im Zusammenhang mit nachhaltiger Entwicklung innerhalb der FIG intensiv über das Thema Landmanagement, Landentwicklung und Bodenordnung diskutiert. Die Kommission 7 der FIG trägt in ihrer Bezeichnung den Begriff Landmanagement ebenso wie diesbezüglich umbenannte Lehrstühle und universitäre Departements. Das Geodätische Institut der Technischen Universität München (TUM) soll laut Entwicklungsplan 2000 der TUM umbenannt werden in "Institut für Geodäsie und Landmanagement".

Land – eine kostbare Ressource

Anders als die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital ist unser Grund und Boden nicht vermehrbar. Bei der Entwicklungsplanung in städtischen und ländlichen Räumen gelten mehr denn je die Gebote eines haushälterischen zukunftsfähigen Umgangs mit Flächen (quantitativer Bodenschutz) und des Schutzes der natürlichen Ressourcen (qualitativer Bodenschutz). Demgegenüber steht, bedingt durch das Streben nach einer stetigen Verbesserung der Arbeits- und Lebensverhältnisse in Stadt und Land, ein weiter steigender Flächenverbrauch. Siedlung, Verkehr, Landwirtschaft, gewerbliche Produktion, Bildung, Versorgung, Erholung und sonstige Infrastruktur fordern ebenso Raum wie soziale und kulturelle Belange. Nutzungskonflikte entstehen. Im Spannungsfeld des "Magischen Dreiecks" – zwischen ökonomischen, ökologischen und sozio-kulturellen Belangen – bewegen sich Landmanagement, Landentwicklung und Bodenordnung im Sinne der Agenda 21. 

Entwicklungsplanung im städtischen und ländlichen Raum hat also mehr als nur eine ökonomische Nutzung und Neuordnung von Grund und Boden zum Ziel. Entwicklungsplanung anerkennt die pluralen Interessen und gleicht konkurrierende Interessen- und Nutzungsansprüche im Dialog mit allen Beteiligten frühzeitig und objektiv unter Einsatz von adäquaten Planungs- und Beteiligungsmethoden sowie Umsetzungsinstrumenten aus. Der Geodät als Informationsfachmann, Entwicklungsplaner, Prozesssteuerer und kenntnisreicher Experte und Anwender von Methoden und Instrumenten wird zum Landmanager. 

Arbeitsfelder

FIG und verschiedene UN-Behörden haben im Oktober 1999 im Rahmen der sogenannten Bathurst-Declaration die weltweit hohe Aktualität von land administration, secure land tenure, access to land for all people, promotion of sustainable landuse und land management betont. Dies kommt auch in der nachfolgenden Graphik deutlich zum Ausdruck:

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Der Begriff Landmanagement wurde wie folgt definiert:

"The activities associated with the management of land as a ressource from both an environmental and an economic perspective towards sustainable development".

Für das deutsche Verständnis von Landmanagement mag die nachfolgende Definition von  land administration noch dazu gehören:
"The process of determining, recording and disseminating information about the ownership, value and use of land when implementing land policy." (Quelle: The Bathurst-Declaration, FIG Publication No. 22/1999)

Der Umgang mit und die Nutzung von Grund und Boden in Stadt und Land inkl. der Gebäude sowie sonstiger Ressourcen und Infrastruktur erfordert breit einsetzbare und deshalb bestens ausgebildete Spezialisten. 

Die Einsatzgebiete für den Geodäten im Landmanagement sind vielseitig. Er ist beispielsweise tätig

  • bei Vermessungsverwaltungen (Staatlichen Vermessungsämtern)
  • bei den Verwaltungen für Ländliche Entwicklung, bzw. Ländliche Neuordnung,
  • bei kommunalen Verwaltungen, z. B. Städtischen Vermessungs- oder Planungsämtern etc.
  • als Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur, ob angestellt oder als Unternehmer
  • bei Unternehmen mit großem Liegenschaftsbesitz, wie z.B. Versicherungen, Banken, Kirchen
  • im Immobilienmanagement, Facility-Management sowie in der Wertermittlung von Grund- und Immobilienbesitz ("appraiser").
  • bei öffentlichem und privatem Eigentumsnachweis sowie der Eigentumssicherung.
Eigentumssicherung und –nachweis sind wie erwähnt sehr oft die Voraussetzung für wirtschaftliche Investitionen. Landmanagement umfasst deshalb z. B. Hilfe bei der Lösung ungeklärter Eigentumsfragen bzw. Wiederherstellung des Eigentums (Reformstaaten!). 

In Fällen von nicht geklärten Grenzverläufen erstellt der Geodät Fachgutachten über die Eigentumsverhältnisse oder ermittelt den Grenzverlauf neu.
 

Fachliche Anforderungen an die Ausbildung

Nachhaltiges Landmanagement stellt somit höchste Anforderungen an den geodätisch vorgebildeten Entwicklungsplaner und Realisierungsmanager:

  • Bei Bestandsaufnahme, Analyse, Wertung, Planung und Neuordnung bedient sich der Geodät modernster Kommunikations- und Geoinformationssysteme.
  • Mit den inhaltlichen, rechtlichen und methodischen Grundlagen der Entwicklungs- und Umsetzungsplanung in Stadt und Land ist der geodätisch ausgebildete Landmanager bestens vertraut. Er kennt und nutzt souverän Verfahren nach dem Bodenordnungsrecht einschließlich der Dorf-, Gemeinde- und Regionalentwicklung.
  • Landmanagement und Bodenordnung sind verstärkt bei der Realisierung zukunftsorientierter Landnutzungsmodelle und beim Ressourcenmanagement gefordert und eingesetzt. Kenntnisse in Landwirtschaft, Landschaftsökologie und natürlichem Ressourcenschutz sind Vorbedingung.
  • Privatrechtliche Verfahren wie Teilung, Tausch oder Kauf etc. von Grundstücken nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch gehören ebenfalls zum "Muss" des Landmanagements.
  • Tätigkeiten in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit erfordern ganz besonders Team- und Anpassungsfähigkeit, hohe soziale Kompetenz und Einfühlungsvermögen, Kenntnisse über Tradition und Bedeutung des Eigentums sowie politische Sensibilität.
Der Landmanager ist Spezialist und Universalist in einem; er muss ein "sattelfest spezialisierter Generalist" sein. Er kennt die Sicht- und Vorgehensweisen der Nachbardisziplinen und deren Instrumentarien. Er nutzt die Kapazitäten und das Know-how vor Ort und gibt als Führungskraft mit hoher Methoden-, Medien- und Sozialkompetenz bei der partizipativen Planung mit den Bürgern Impulse. Er passt sein Wissen und seine Fähigkeiten den wachsenden nationalen und internationalen Anforderungen an und bildet, wo nötig, Allianzen und kooperiert mit wichtigen Partnern. 

Natürlich hat der Geodät, ob in der Vermessungs- und Liegenschaftsverwaltung, der Verwaltung für Ländliche Entwicklung/Ländliche Neuordnung, im beliehenen und freien Beruf oder sogar in der Industrie tätig, fundierte Kenntnisse im

  • Bürgerlichen Recht (BGB, z. B. Eigentums- und Nachbarschaftsrecht),
  • Grundbuchrecht (Grundbuchordnung),
  • Baugesetzbuch,
  • Kataster (AGLB und ALK),
  • Flurbereinigungsrecht,
  • Öffentlichen Planungs- und Verwaltungsrecht,
  • Landwirtschaftsanpassungsgesetz und in sonstigen Spezialgesetzen.
Der Geodät bedient sich bei seiner Arbeit im Landmanagement grundlegender geodätischer Techniken, wie z. B. Geographischer Informationssysteme (GIS), Satellitennavigation (GPS) und anderer moderner Techniken. 

Daneben sind in der Ausbildung möglichst viele Kompetenzen in Teamfähigkeit, Methoden-, Sozial-, Sprach- und Medienkompetenz zu vermitteln.

Am Lehrstuhl wurde 2000 von Dipl.-Ing. Thomas Müller eine Diplomarbeit zum Thema "Bodenmanagement als Aufgabe für die Verwaltungen der Ländlichen Entwicklung und kommunale Körperschaften unter Verwendung moderner GIS-Technologien" angefertigt.

 

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Last updated: August 21, 2007