Holger Magel, Silke Franke:
Zukunftsstrategien im ländlichen Raum für die Bayerische Wasserwirtschaftsverwaltung im Lichte von Good Governance


» Forschung



Forschungsvorhaben (
2007 - 2008)

Auftraggeber:

Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, 2007 - 2008. 


Auftragnehmer:

Technische Universität München
Lehrstuhl für Bodenordnung und Landentwicklung
Ordinarius: Univ.-Prof. Dr.-Ing. Holger Magel
Ehemaliger Leiter der Bayerischen Verwaltung für Ländliche Entwicklung
Präsident der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum

Bearbeitung:

Dipl.-Geogr. Silke Franke
Arcisstr. 21 D-80290 München Tel.: +49 89 289-22519 Fax: +49 89 289-23933
franke@landentwicklung-muenchen.de www.landentwicklung-muenchen.de


Aufgabenstellung

Wie nur wendige andere Verwaltung ist die Wasserwirtschaftsverwaltung eine flächen-deckende Verwaltung: Wasser ist eine dreidimensionale Größe, die sich nicht auf bestimmte Flächen, etwa auf Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Siedlung oder auf Flüsse und Talauen oder auf Gemeinde- oder Landesgrenzen allein beschränken lässt, sondern vernetzt betrachtet werden muss.

Da über 80 % der Landesfläche Bayerns als ländlicher Raum gelten, muss die Wasserwirtschaftsverwaltung geradezu eine sichtbare Präsenz in der Fläche zeigen und sich den ländlichen Raum (noch mehr) zum Thema machen.

Der ländliche Raum spielt in der Tat eine besondere Rolle für das Wasser: Nur in ländlichen Räumen kann Trinkwasser in ausreichender Menge und Qualität gewonnen werden („Wasser aus dem Herzen der Natur“ – Slogan der Stadtwerke München). Feuchtflächen, Niedermoore und Auen stellen wichtige Retentionsräume für das Hochwasser dar, die es zu erhalten gilt. Fluss- und Bachläufe sowie Seen geben der Natur- und Kulturlandschaft einen besonderen Reiz und machen die Attraktivität für Naherholung und Tourismus aus. Auf der anderen Seite beeinträchtigen falsche Landnutzungen und Siedlungstätigkeiten im ländlichen Raum die Gewässer. Für die Zukunft ist durch Begleiterscheinungen aus dem internationalen Wettbewerbsdruck, dem demographischen Wandel und dem Klimawandel mit weiteren Faktoren zu rechnen, die die Wasserwirtschaft beeinflussen.

Aufgabe des Forschungsvorhabens ist es, aufzuzeigen,
  • welche Rahmenbedingungen das Selbstverständnis und die Aufgaben der Bayerischen Wasserwirtschaftsverwaltung im ländlichen Raum bestimmen,
  • wie die Bayerische Wasserwirtschaftsverwaltung als Akteur im ländlichen Raum wahrgenommen wird,
  • welche (neuen) fachlichen und gesellschaftspolitischen Aufgaben und Schwerpunkte auf die Bayerische Wasserwirtschaftsverwaltung zukommen und
  • wie sich die Bayerische Wasserwirtschaftsverwaltung dahingehend positionieren kann.

Methodeneinsatz
  • Literaturrecherche, Umsetzung des eigenen Forschungs- und Erfahrungshintergrunds am Lehrstuhl.
  • Fremdeinschätzung:
    Leitfadengestützte Interviews mit externen Experten unterschiedlicher Fachrichtung.
  • Selbsteinschätzung:
    Leitfadengestützte Interviews mit Vertretern der Bayerischen Wasserwirtschaftsverwaltung
    (Ebene Wasserwirtschaftsämter, Landesamt für Umwelt sowie Regierungsbezirke).
  • Untersuchung von Fallbeispielen der Wasserwirtschaftsverwaltung
    im Bereich partizipative Planung
  • Perspektiven-Workshop:
    Gemeinsame Diskussion von Schlüsselfragen mit Vertretern der Bayerischen Wasserwirtschaftsverwaltung.
  • Strategie-Workshop:
    Gemeinsame Diskussion von Schlüsselfragen mit Vertretern der Bayerischen Wasserwirtschaftsverwaltung sowie externen Experten aus Verwaltung, freiem Beruf und Wissenschaft.

Ergebnisse

Angesichts der vielfältigen Herausforderungen stellen sich für die Wasserwirtschaftsverwaltung wichtige
strukturelle Fragen, wie
  • Welchen Beitrag leistet die WWV für die Wettbewerbsfähigkeit der Kommunen im ländlichen Raum?
  • Welche Mittel hat die WWV, um Konflikte (Landnutzung, Ressourcennutzung) auszugleichen, zu mildern oder zu lösen?
und Anforderungen, wie
  • Instrumente für das Handeln in der „Fläche“;
  • Kooperation mit anderen Ressorts, die für den ländlichen Raum zuständig sind (Verwaltung für ländliche Entwicklung).
Nachhaltig mit Wasser umzugehen, ist Aufgabe aller Akteure, die Wasser nutzen oder durch ihre Tätigkeiten auf das Wasser Einfluss nehmen. Daher braucht es einen aktivierenden Staat, der nach den Prinzipien von good governance die gesellschaftlichen Akteure befähigt, diese normative Verpflichtung wahrzunehmen. Wasser ist allerdings die Lebensgrundlage der Menschen und daher muss der Staat eine bedingte Garantenstellung übernehmen

Von der WWV wird erwartet, Konzepte und Lösungen für Zukunftsherausforderungen zu entwickeln. Aktuelle Rahmenbedingungen, wie die Anforderungen der Wasserrahmenrichtlinie sowie die Hochwasser- und Klimaschutzprogramme, werden für die WWV als Aufgaben gesehen, die ihre Kompetenzen unterstreichen und ihre Bedeutung stärken, aber auch ihre Kapazitäten (schon jetzt) herausfordern.

Nur, wenn die WWV zugleich auch Wertevermittler, Berater und Förderer ist, erhält sie auch die Akzeptanz für anspruchsvolle Schutz- und Nutzungsziele bei den Kommunen (Unterhaltungspflichtige, Wasserversorger), den Eigentümern, Landnutzern sowie der Wirtschaft und der Bevölkerung (Wasserverbraucher). Die WWV hat damit sowohl eine mehr hoheitliche und eher statische Komponente als auch eine offene und dynamische Komponente.

Endbericht zum download



Stand: 2009/2010