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Entwicklungszusammenarbeit und Expertenhilfe
während der Zeit im Ministerium (bis 1998)
O. Univ.-Prof. Dr.-Ing. Holger Magel
         
 

Konkrete Projekte im Ausland

 

Volksrepublik China:

1987 zunächst Vorlesungen für Kollegen aus allen Provinzen, nachfolgend seit 1988 Start des Projekts Integrierte Landentwicklung Nan Zhang Lou in der bayerischen Partnerprovinz Shandong. Hier geht es in einem ganzheitlichen Ansatz um die Verbesserung der Agrarstruktur und Arbeitsbedingungen der Landwirte sowie die Verbesserung der Lebens- und Wohnverhältnisse im 4.000 Einwohner großen Dorf. Hierbei wurden ein für China ungewöhnlicher Bottom-up-Ansatz (Gründung von Arbeitskreisen) gewählt sowie die Gründung von interdisziplinär besetzten Teams vorgenommen. Das Projekt ist sehr erfolgreich und stellte die Basis dar für ein im Herbst 1997 durchgeführtes Symposium der Provinzregierung Shandong und der Hanns-Seidel-Stiftung. Hierüber gibt es auch eine deutsch und chinesissch abgefaßte Dokumentation. Träger des Projekts sind auf bayerischer Seite die Hanns-Seidel-Stiftung und das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, auf chinesischer Seite die Staatliche Erziehungskommission Peking und die Provinzregierung von Shandong. Kontakte (dort Vorlesung im Mai 1994) bestehen auch mit der Wuhan Technical University for Surveying and mapping.


Türkei:

Ausgehend von einem Vortrag anläßlich des türkischen Geodätentages 1993 kam es nachfolgend zu einer Vereinbarung zwischen der türkischen Staatskanzlei (in dem das Generaldirektorat für dörfliche Angelegenheiten angesiedelt ist) und dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. In dem stark landwirtschaftlich geprägten Dorf Kadiköy (2.000 Einwohner), Provinz Izmir, geht es darum, die Arbeitsbedingungen der Landwirte zu verbessern und damit der Landflucht entgegenzutreten, den Erholungs- und Kulturwert im Hinblick auf Ausbau des Tourismus zu verbessern sowie die Wohnbedingungen und die ökologischen Verhältnisse zu stärken und zu entwickeln. Nachdem es sich wie in China um ein erstmaliges Pilotprojekt für die Türkei handelt, wurde versucht, eine breite, für die Türkei ebenfalls ungewöhnliche und unübliche interdisziplinäre Beteiligung zu erreichen. Träger sind die türkische Staatskanzlei (Generaldirektorat für dörfliche Angelegenheiten) und die nachgeordnete Verwaltung, als Partner wirkt die Yildiz Teknik Universität Istanbul mit. Bayerischerseits ist der Lehrstuhl für Bodenordnung und Landentwicklung der TU München neben dem Ministerium mit von der Partie; Vorlesung an der Yildiz Teknik Universität Istanbul im November 96.



Slowenien:

Im Rahmen der Kommission Bayern-Slowenien bestehen seit vielen Jahren gute Kontakte, die aber nach 1989 verstärkt wurden. Im Reformstaat Slowenien ist die Stärkung des ländlichen Raumes ein politisches Ziel: Diesem dienen auch zwei Modellprojekte zur Dorf- und Landentwicklung (Remsnik und Kneza Vas), die von der Bayerischen Verwaltung für Ländliche Entwicklung mitbetreut werden. Wie ernst Slowenien die Landentwicklung nimmt, zeigen Fachseminare der Verwaltung an der Universität Ljubljana (an der ich mehrere Vorlesungen gehalten habe) ebenso wie die Übersetzung des Buches Glück/Magel „Das Land hat Zukunft“ in slowenische Sprache. Das slowenische Ministerium hat dazu finanzielle Hilfen gegeben. Das Modellprojekt Kneza Vas ist bereits soweit gediehen, daß es sich am 4. Europäischen Dorferneuerungswettbewerb 1996 mit Erfolg beteiligt hat. Im März 1997 habe ich für den neuen Landwirtschaftsminister ein Konzept „Ländliche Entwicklung 2000++ in Slowenien“ erstellt.


Kroatien:

Auch hier wurden im Rahmen der Kommission Bayern-Kroatien seit 1992/93 zwei Projekte zur Integrierten Ländlichen Entwicklung auf den Weg gebracht. Ein Projekt liegt im kriegszerstörten Westslawonien (Mackovac), das andere Projekt (Krasic) in einem peripheren ländlichen Raum. In beiden Orten ist die Förderung des Selbstbewußtseins und des Selbsthilfewillens der Bevölkerung und der Fähigkeit der Gemeinde zu integriertem Denken und Handeln das zentrale Anliegen. Gerade die in früheren kommunistischen Staaten unübliche interdisziplinäre Zusammenarbeit muß geübt werden. Auch in Kroatien sind wir deshalb bemüht, Wissenschaftler und Universitäten (hier der Hochschule Zagreb) einzuschalten und sie zum „geistigen Träger der Entwicklung“ zu machen.


Taiwan:

Im Rahmen einer speziellen Partnerschaft zwischen dem Bayerischen Landwirtschaftsministerium und der taiwanesischen Provinzregierung (seit 1995) auf dem Gebiet der Ländlichen Entwicklung ist geplant, ein Projekt zur Landentwicklung unter bayerischer Mitbetreuung auf den Weg zu bringen. Mehrere Besuche in Taiwan und Praktikumsaufenthalte von taiwanesischen Kollegen in Bayern haben das geistige Umfeld hierfür vorbereitet. Im April 97 Besuch Taiwans zur Festlegung eines konkreten Dorfprojekts. Auch hier ist eine Universität (National Chung Hsing University Taichung) intensiv beteiligt.



Fachliche Partnerschaften (Mitwirkung)


Österreich:

Mit Österreich bestehen besonders enge Verbindungen; seit 1985 hat sich infolge meiner intensiven Vortrags- und Beratungstätigkeit in Österreich dort eine eigene Landentwicklungsbewegung herausgebildet. Die fachlichen Verbindungen mit den Länderverwaltungen, der Universität für Bodenkultur Wien und weiteren Institutionen (z.B. Bauernbund) sind nach wie vor eng, u.a. auch zwischen der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum und der Salzburger Leopold-Kohr-Akademie bzw. Österreichischen Arbeitsgemeinschaft Ländlicher Raum. Der fachliche Austausch geht über alle Bereiche der Ländlichen Entwicklung, ob Ökologie, Landschafts- und Bauleitplanung, Arbeitsplatzsicherung, Agrarstrukturverbesserung, Bürgerbeteiligung, Siedlungswesen bis hin zu Fragen der nachwachsenden Energie, Kultur, ländlichen Bildungsarbeit und des Planungswesens.



Tschechien:

Im Nachbarstaat Tschechien wurden seit 1989 enge Beziehungen mit den dortigen Ministerien (Landwirtschaft, Wirtschaft, Umwelt-, nun Regionalministerium) gepflegt. Das Buch „Das Land hat Zukunft“ ist in tschechische Sprache übersetzt, viele Vorträge bei Fachleuten, aber z.B. auch im tschechischen Parlament, haben den Boden für die Erstellung eines eigenen tschechischen Dorfentwicklungsprogramms bereitet und den völligen Neuaufbau einer tschechischen Flurbereinigungsverwaltung gefördert. Man kann sagen, daß das tschechische Dorferneuerungsprogramm ebenso wie die tschechische Flurbereinigungspraxis stark auf bayerischen Erfahrungen und Gedankenaustausch basiert. Gerade in Tschechien wie auch in den sonstigen früher kommunistischen Ländern mit stark kollektivierter Landwirtschaft (z.B. in ehemaliger DDR) ist die Förderung des ländlichen Raumes und hier besonders auch der ökologischen Verhältnisse ein großes Anliegen, da der ländliche Raum unter sozialistischen Strukturen zu einem reinen Agrarindustrieort degradiert und entwürdigt wurde.



Portugal:

Im Auftrag der Deutschen Bundesregierung habe ich dort mehrmals Vorträge und Seminare zum Thema Ländliche Entwicklung bestritten und in allen Regionen Gespräche mit den verantwortlichen Politikern und Experten geführt. Die Verbesserung der Agrarstruktur mittels einer z.Z. noch zu stark ökonomisch und zu wenig ökologisch ausgerichteten Flurbereinigung ist dort ein ebenso großes Anliegen wie die Attraktivitätssteigerung der Dörfer, denen ansonsten der Verlust der jungen Leute (Landflucht) droht. Leider sind die politischen Verhältnisse in Portugal so, daß Verantwortungen ständig wechseln und bislang keine kontinuierliche Entwicklung möglich war.



Südkorea:

Gleiches gilt für Südkorea: Als Kurzzeitexperte für die Hanns-Seidel-Stiftung war ich seit 1989 mehrmals in Korea, um dort das Gedankengut der Ländlichen Entwicklung über den Genossenschaftsverband Südkorea zu fördern. In Südkorea herrscht eine riesige Landflucht, die Mega-Städte (Seoul hat z.B. rd. 11 - 15 Mio Einwohner) wachsen und wachsen. Die Stadt Chongju im südlichen Teil des Landes wollte sich mit unserer Know-how-Hilfe zu einer attraktiven Nationalparkgemeinde entwickeln und war auf gutem Weg (u.a. durch hervorragende Arbeit eines koreanischen Universitätsprofessors für Landschaftsplanung, der in Deutschland studiert hat). Infolge der politischen Säuberungswelle ist im Moment diese Entwicklung bei Regierung und Gemeinde unterbrochen.



Einsatz als Experte in anderen Ländern 

Vietnam:

Im Auftrag der Hanns-Seidel-Stiftung war ich im Jahr 1995 in Vietnam, um dort an der Universität Can Tho und zusammen mit den dortigen Regierungsstellen im Mekong-Delta Möglichkeiten eines Dorf- und Gemeindeentwicklungsprojektes zu ventilieren. Es gab erhebliche Auffassungsunterschiede zwischen den Regierungsbeamten (zentrales Handeln) und den westlich orientierten Universitätsangehörigen (dezentral). Gleichwohl deutet sich eine positive Entwicklung bezüglich Landentwicklung an; die Universität Can Tho hat am Beispiel eines Dorfes Vorstellungen zur „Integrated Rural Development“ entwickelt.


Philippinen:

Seit 1992 war ich dreimal auf den Philippinen, wo die Hanns-Seidel-Stiftung zusammen mit der Aquino-Stiftung versucht, bei den Regierungsstellen den Gedanken der Ländlichen Entwicklung (Verbesserung des Lebensstandards auf dem Lande, Herstellung würdiger Wohnverhältnisse, Förderung von Arbeitsplätzen und der Umwelt etc.) zu fördern. Daß das Bemühen erste Erfolge zeitigt, zeigte die Einladung an mich, beim SME-Weltkongreß im September 1997 einen Vortrag zu halten.
 



Chile

Ein neues intensiveres Arbeitsgebiet kann künftig in Chile entstehen, wo ich mich auf Einladung der Pontificia Universidad Catolica de Chile (PUC) in Santiago und mit finanzieller Unterstützung der Bayerischen Staatskanzlei im April 1998 drei Wochen lang aufhielt und zahlreiche Vorlesungen und Vorträge hielt.

Zur Zeit sind die PUC und die Technische Universität München dabei, einen Partnerschaftsvertrag abzuschließen, in dessen Rahmen auch die Kooperation auf dem Gebiet der ländlichen Entwicklung steht.

Prof. Magel wurde zusammen mit Dr. Andreas Gronauer (Bayerische Landesanstalt für Landtechnik) zu den "Chile-Beauftragten" der Technischen Universität München bestellt.

Vertrag über die Zusammenarbeit



Gastvorträge

erfolgten in den letzten Jahren in Brasilien (im Auftrag des Goethe-Instituts und der Association der deutschen Stipendiaten Brasiliens aeba), Japan (auf Einladung der Universität Tokyo und der Japanischen Akademie Ländlicher Raum), Ungarn, in der Schweiz (ETH Zürich), Italien und in Brüssel (EU-Kommission).
 


 

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Stand der Seite: Jahr 1999