ForschungsNetzwerk "Zukunft Dorf"


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Mitgliederportrait und Forschung zum Thema "Zukunft Dorf"

Dipl.-Geogr. Silke Franke


1999 - 2004
Regionalplanerin bei LARS consult, München.

2004 - 2010
wiss. Mitarbeiterin am
Lehrstuhl Bodenordnung und Landentwicklung,
TU München.

2010 -
Referentin bei der Hanns Seidelstiftung
Akademie für Politik und Zeitgeschehen

Mitgliedschaften
Bayerische Akademie Ländlicher Raum
Franz von Assisi Akademie.
Schule der Dorf- und Landentwicklung

Forschungsvorhaben (
2004 - 2005)

"21 Gute Beispiele für nachhaltige Kommunalentwicklung"

Auftraggeber: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz.

Fragestellung / Methodeneinsatz/ Ergebnisse

Ziel des Forschungsvorhabens war es, die Handlungsspielräume der kommunalen Nachhaltigkeit und ihre Bedingungen anhand von Beispielgemeinden aufzu­zeigen: Wie sieht kommunale Nachhaltigkeit konkret, d.h. in der Praxis aus? Welche Handlungsspielräume werden genutzt? Welche Herausforderungen und Weiter­entwicklungs­möglichkeiten werden für nachhaltige Entwicklung gesehen? Wie lässt sich Nachhaltigkeit in die Kommunalpolitik integrieren?

Die Untersuchung sollte dabei nicht von Soll-Vorstelllungen oder theoretischen Überlegungen geleitet werden, sondern von der Perspektive der Praktiker, d.h. der Gemeindevertreter selbst. Diese sollten in mehreren Workshops zu verschiedenen Handlungsfeldern ihre Erfahrungen und Vorstellungen schildern.

Als weitere Fragestellung war zu untersuchen, inwiefern die Vorgehensweise als Grundlage für die Bildung eines kommunalen Nachhaltigkeitsnetzwerks nutzbar gemacht werden kann.

Anhand der Empfehlungen von Experten („Peers“) wurden 21 Gemeinden ausgewählt, deren Kommunalentwicklung als „nachhaltig“ anerkannt wird. Anhand der Kriterien internationaler Nachhaltigkeits-Wettbewerbe wurden dabei Mindestkriterien herangezogen:

  • Wirkungs-Ebene: Gute Gemeinden erzielen konkrete Verbesserungen in verschiedenen Handlungsfeldern,
  • Steuerungs-Ebene: Gute Gemeinden setzen nicht nur praktische Projekte um, sondern versuchen auch, Nachhaltigkeitsaspekte in die Strukturen der Politik und Verwaltung zu integrieren,
  • Beteiligungs-Ebene: Gute Gemeinden beteiligen die Bürgerschaft und suchen die Kooperation mit weiteren Akteuren innerhalb wie außerhalb der Kommune.

Die 21 Gemeinden wurden in sieben thematisch aufgebaute Qualitätszirkel aufgeteilt: Jeweils drei wurden einem geeigneten Handlungsfeld zugeordnet, nämlich:

  • Siedlung/ Boden/ Fläche,
  • Klimaschutz/ Energie,
  • Verkehr/ Mobilität,
  • Natürliche Ressourcen/ Gesundheit,
  • Wirtschaft / regionale Wertschöpfung,
  • Soziales/ demographischer Wandel,
  • Nachhaltigkeitsmanagement/ -kooperation.

Mit jedem der Qualitätszirkel wurden zwei ganztägige Veranstaltungen durchgeführt, in denen die Fragestellungen bearbeitet wurden. Als Teilnehmer wurden die Bürgermeister der Gemeinden eingeladen. Sie sollten Vertreter der Verwaltung und der Bürgerschaft mitbringen (drei bis maximal fünf Teilnehmer pro Gemeinde). Die Qualitätszirkel wurden von Moderatoren begleitet, die Stammreferenten an der Schule der Dorf- und Landentwicklung Thierhaupten sind und somit über langjährige entsprechende Erfahrungen verfügen. Die Ergebnisse und Diskussionen der Teilnehmer wurden auf Plakaten stichpunktartig festgehalten, so dass sie dokumentiert und aufbereitet werden konnten.

Im Ergebnis zeigte sich u.a.:

Kommunale Nachhaltigkeit hat viele Gesichter. Es gibt je nach Gemeinde viele Projekte, aber kein allgemeingültiges „Super-Modell“ in der Politikgestaltung.

Die Leistungen der 21 Beispielsgemeinden lassen sich nicht an einem prominenten Projekt allein messen. Ein bedeutsames Merkmal ist vielmehr, dass über Einzelvorhaben hinaus eine politische Kultur entwickelt wurde, die sich in verschiedenen Qualitäten ausdrückt, wie z.B. Orientierung an mutigen Visionen, systematische Suche nach Potenzialen, Nutzung von Impulsen aus Modellvorhaben oder Wettbewerben, kreative Entwicklung eigener Modelle zur Problemlösung, großzügige Beteiligung und Beratung von Bürgern.

Nachhaltigkeit braucht beide Säulen: Konkrete, greifbare Projekte (Was) und eine Einbettung in die Politik und in die Steuerungsinstrumente (Wie).
Im Kern geht es um die Entwicklung eines neuen Politikstils, der auf eine bürgernahe, kooperative und integrative Aushandlung von Entwicklungsvorstellungen setzt.

Die Qualitätszirkel wurden auf Anregung der teilnehmenden Gemeinden freiwillig fortgeführt. Sie sind nun als "Netzwerk nachhaltige Bürgerkommune" an der Schule der Dorf- und Landentwicklung angesiedelt.

Der erfolgreiche Abschluss eines Forschungsvorhabens ist immer ein besonderer Meilenstein - dies umso mehr, wenn das Projekt "nachhaltig" wirkt und dies im doppelten Sinne: Die Gemeinden, die in der Studie von Prof. Magel und Silke Franke zu "21 Gemeinden - gute Beispiele für eine nachhaltige Kommunalentwicklung" mitgewirkt haben, zeigten sich von der Idee der dabei eingerichteten "Qualitätszirkel" so begeistert, dass sie diese Treffen auch nach Abschluss des Forschungsvorhabens weiterführen wollten. Dank der Unterstützung des Bayerischen Umweltministeriums und der Einbindung unserer bewährten Partner wie die Schulen der Dorf- und Landentwicklung und das Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement konnte das Netzwerk "Nachhaltige Bürgerkommune" eingerichtet werden.

Publikationen zu dem Thema

Magel, H./ Franke, S., 2007
: 21 Gemeinden - Gute Beispiele für eine nachhaltige Kommunalentwicklung. Endbericht zum Forschungsvorhaben im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz.
Veröffentlicht unter:
http://www.stmugv.bayern.de/umwelt/agenda/komma21/
und unter
http://www.wir-fuer-uns.de/landesnetzwerk/KommunenEndbericht.pdf  


Tischvorlage anlässlich der Vorstellung der Ergebnisse im Bayerischen Landtag
durch Herrn Staatsminister Dr. Werner Schnappauf und Prof. Dr.-Ing. Holger Magel in der 80. Sitzung des Umweltausschusses im Bayerischen Landtag am Donnerstag, 19. April 2007.

Beitrag in der Zeitschrift des Bayerischen Gemeindetags,
Ausgabe 1/2009 (pdf Datei
)
 



Stand: Juni 2009